LENDENSCHMERZ
chronischer Lendenschmerz, Schmerz der Lende, der Lenden

Als Lende wird der untere Rückenteil zwischen Rippenbogen und Darmbeinkamm bezeichnet. Ein Lendenschmerz wird häufig auch als Lumbalg ie oder Lumbalsynd rom bezeichnet.

Ein Lendenschmerz kann viele Ursachen haben. Meist geht er aber von der Wi rbelsäule aus. Differentialdiagnostisch (= welche Krankheiten sich hinter einem Lendenschmerz verbergen können) ist aber auch an eine Affektion (= Störung, Erkrankung) der Niere zu denken (siehe Nierenschmerz).

Auflistung ver tebragener (= wirbelsäulenbedingter) Ursachen für ein Lendenschmerz (Schmerz der Lende, der Lenden):

Degenerative Veränderungen (= durch Abnutzung hervorgerufen)
        - Bandscheibenveränderungen (Bandsc hei benvor wölbung, Bandscheibenvorfall)
        - ligamentäre Insuffizienz
(= Funktionsstörung von Haltebändern)
        - Störung der gelenkigen Wirbelverbindungen
        - knöcherne Veränderungen (Randzacken, Knochenwulste usw.)
Mißbildungen
        - angeborene (z.B. Spina bifida, Blockwirbel, Keilwirbel)
        - Wachstumsstörung (z.B. Morbus Scheuermann, Skoliose)
Entzündliche Erkrankungen
        - Rheumatischer Formenkreis (z.B. Polymyalg ia, Morbus Bechterew)
        - Infektionserkrankungen (Spondylitis z.B. durch Tbc, Staphylokokken)
Generalisierte Skeletterkrankungen
        - (z.B. Osteoporose, Osteomalazie)
Tumoren der Wir belsäule
        - Primärtumoren (hauptsächlich Plasmozytom)
        - Metastasen
Traumen
(= Verletzungen) (Frakturen)
Defekte, nicht verletzungsbedingte (z.B. Spondylolyse, Spondylolisthesis)

Die Lendenwir belsäule ist großen statisch-dynamischen Belastungen ausgesetzt, weshalb hauptsächlich dieser Wirbelsäulenabschnitt von Schmerzsyndromen betroffen ist.
Als Schmerzursache stehen wie bei der Halswir belsäule übermäßige degenerative
(= abnutzungsbedingte) Veränderungen im Vordergrund, wobei der Bandsc hei be eine Schlüsselrolle zufällt. Der Wassergehalt des Gallertkernes der Bandsc hei be nimmt im Laufe der Zeit ab und damit die Elastizität, wodurch die Beweglichkeit beeinträchtigt wird. Der Faserring verliert allmählich seine Haltefunktion, wird rissig und teilweise für die Gallertmasse durchlässig. Bereits in dieser Phase sind Bandscheibenvorfälle möglich. Das Bewegungssegment wird durch diese Bandscheibenveränderungen nunmehr instabil, wodurch die Funktionsbewegungen beeinträchtigt werden. Die Wirbelkörper können sich dann gegeneinander verschieben, worunter die kleinen Wir belgelenke besonders leiden und schließlich mit arthrotischen (= krankhaften) Veränderungen reagieren (
Spondylarthrosen). 
Mit zunehmender Bandscheibendegeneration
(= Bandscheibenabnutzung) nähern sich die Wirbelkörper einander und reagieren mit Randzackenbildung (
Spondylose) und Sklerosierung (= krankhafte Verhärtung) der Deckplatten (Osteochondrosen). Allmählich kommt es zu einer Versteifung, die an sich der Entstehung von Rück enschmerzen entgegen wirkt ("wohltuende Versteifung im Alter"). Jede Phase dieser fortschreitenden Degeneration kann im Bewegungssegment einen chronischen Lendenschmerz verursachen, die auch mit pseudorad ikulärer oder gar rad ikulärer Symptomatik (= Krankheitszeichen die auf eine scheinbar oder tatsächlich geschädigte Ner venwurzel zurückzuführen sind) einhergehen können. 
Verschleißprozesse, die über die normale, altersentsprechende Abnutzung hinausgehen, können auch zu einer Stenose des Spinalkanals
(= Verengung) führen und in den betroffenen Segmenten einen Rückenschmerzen hervorrufen, bei entsprechendem Ausmaß treten weitere Beschwerden hinzu (pseudorad ikuläre, rad ikuläre Ausstrahlungen in die Beine,
Claudicatio spinalis (= Funktionsbeeinträchtigung der Beine aufgrund einer Durchblutungsstörung im Rückenmark)). 
Die kleinen Wir belgelenke, die wegen ihrer dachziegelartigen Anordnung auch Facet tengelenke genannt werden, können auch isoliert, also unabhängig vom Einfluß der Bandscheibendegeneration arthrotische Veränderungen erfahren und dann ebenfalls schmerzhafte Blockierungen des Bewegungssegmentes hervorrufen. 
Auch im Bereich der Foramina intervertebralia
(= Zwischenwirbellöcher) können isolierte Störungen auftreten, die die zugehörigen Ner venwurzeln irritieren oder gar schädigen und dann zu einem Rückenschmerz führen. 
Ein Bandscheibenprolaps erfolgt meist dorsolateral
(= seitlich und nach hinten) und kann schon bei geringem Ausmaß das Bewegungssegment blockieren. In der dorsolateralen Region kann aber auch die Ner venwurzel direkt tangiert bzw. eingeklemmt werden und ausstrahlende Krankheitszeichen bewirken. 90% aller Bandscheibenvor fälle finden in den Etagen L4/L5 und L5/S1 statt (Sehhati-Chafei 1988). Diese bevorzugte Lokalisation führt dazu, daß häufig die Diagnose "Lumboischialgie" gestellt wird, da die oberen Anteile des Plexus ischiadicus (= Nervengeflecht aus dem der Ischiasnerv entstammt) bzw. Plexus sacralis (= Nervengeflecht im Bereich des Kreuzbeins) den Ner venwurzeln L4 und L5 entstammen.

Patienten mit einem Lendenschmerz (Schmerz der Lende, der Lenden) nach Bandscheiben-Operationen sind bezüglich einer Schmerzbehandlung sehr problematisch. Erfahrungsgemäß nimmt die Problematik mit jeder weiteren Operation sogar noch zu. Der oben beschriebene typische Ablauf des Abnutzungsprozesses macht deutlich, daß auch mit einer Operation die eigentliche Schmerzursache ja nicht behoben werden kann, im Gegenteil, es besteht sogar die Gefahr, daß der degenerative Prozeß noch beschleunigt wird. Mit jeder Operation nimmt die Tendenz zur Instabilität zu, abgesehen von den zusätzlichen iatrogenen (= durch die Operation verursachten) Gewebsschädigungen. 
Nicht selten sehen wir Patienten, bei denen nach mehrfachen Bandsc hei ben-Operationen wegen Instabilität eine
Spondylodese (= operative Wir belsäulenversteifung) durchgeführt werden mußte. Leider ist auch nach einer solchen, teilweisen Wir belsäulenversteifung ein Großteil der Patienten nicht beschwerdefrei. Es ist daher zu begrüßen, daß die Indikation (= Anzeige) zur Bandsc hei benoperation in den letzten Jahren immer mehr eingeschränkt worden ist. Als Grund für eine Operation ist das Krankheitszeichen "Lendenschmerz" in den Hintergrund getreten. Als relative Indikation (= Anzeige) gilt allenfalls ein unerträglicher, therapieresistenter (= nichts hilft) Schmerz. 
Beim sog. Ca uda-Synd rom
(= Rückenmarkschädigung mit Lähmung der Bei ne), ebenso bei motorischen Defiziten (= Beeinträchtigungen der Muskelfunktion), die unter konservativer Therapie (= Behandlung ohne Operation) bestehen bleiben oder gar zunehmen, muß operiert werden, um eine Entlastung herbeizuführen. 
Ein segmentaler Rückenschmerz mit und ohne Schmerzausstrahlungen, kann auch von den Mus keln neben der Wir belsäule selbst und/oder den zugehörigen Seh nen ausgehen (
myofasziales Syndrom). Über den segmentalen Reflexbogen kann auch die benachbarte Seite mit einbezogen werden, so daß das Bild eines ver tebragenen (= von der Wir belsäule ausgehenden) Rückenschmerz es vorgetäuscht wird.
Häufig geht ein Lendenschmerz auch von den
Iliosakralgelenken (= gelenkartige Verbindung zwischen Dar m- und Kr euzbein) (die sog. Iliosakralgie) aus. Meist liegen funktionelle Störungen vor, die betroffenen Patienten klagen besonders bei Rumpfbeugung, verbunden mit Drehung, über einen Schmerz im lumbosakralen Übergangsbereich (= unterer Lendenwir belsäulen- und oberer Kreuzbeinbereich), aber auch typischerweise über einen Schmerz im Bereich der Spina iliaca posterior superior (= hinterer oberer Darmbeinstachel) mit unspezifischen Ausstrahlungen in die Be ine (Gesä ß, hinterer und seitlicher Oberschen kel bis zur Wa de und evtl. Fe rse). 
Neurologische Ausfälle
(= Ner venstörungen) bestehen nicht. Häufiger kommen diese Patienten mit der (falschen) Diagnose „Lumboischialgie“.

Grobe Hinweise auf die Art der Schädigung liefern die Abfrage der Vorgeschichte und Beschwerdebild. 
Wird ein Lendenschmerz bei Beanspruchung der Wir belsäule verstärkt oder ausgelöst, so sind die Bewegungssegmente beteiligt. 
Ein Lendenschmerz, der von der Wirbelsäulenfunktion unabhängig ist, spricht mehr für Störungen im Bereich der Wirbelkörper. 
Ein Lendenschmerz, der von Mus keln und deren Bindegewebsumhüllung ausgeht (sog. muskuloskelettaler oder myofasz ialer Ursprung) wird durch Wirbelsäulenbelastungen und -bewegungen ebenfalls verstärkt, unterliegt aber häufig klimatischen Einflüssen, d.h., es tritt in der kälteren Jahreszeit bevorzugt auf. Oft berichten die Patienten, sie hätten sich "verkühlt".
Ein akut auftretender Lendenschmerz ist häufig bandscheibenbedingt, kann aber auch durch eine akute Segmentblockierung (hpts. kleine Wir belgelenke) ausgelöst werden. 
Ein akuter Lendenschmerz, der mit einer monorad ikulären Symptomatik
(= Krankheitszeichen 1 Ner venwurzel betreffend) einhergeht, ist ein sicheres Anzeichen für einen Bandscheibenvor fall, gleiches gilt für einen akuten Schmerz im Zusammenhang mit einem Ca uda-Synd rom (= Rückenmarkschädigung mit Lähmung der Bei ne)
Ein Lendenschmerz, der sich beim Husten und Pressen verstärkt, ist typisch für eine
Nervenwurzelkompression, z.B. infolge einer Bandscheibenprotrusion oder gar eines Bandscheibenprolaps  (= Bandscheibenvorwölbung oder gar -vorfall).  
Ein Lendenschmerz, der bei Erschütterung (verstärkt) auftritt, kann von einer
Spondylitis (= En tzündung an der Wir belsäule) verursacht werden. 
Ein Lendenschmerz, der bevorzugt nachts und morgens auftritt, weist auf eine generalisierte
(= allgemeine) Wir belsäulenerkrankung hin, z.B.
Morbus Bechterew oder Osteoporose

Auch auf den Ort der Schädigung lassen sich bereits aus dem Beschwerdebild Rückschlüsse ziehen.
Schmerz
en und Störungen der (Berührungs-) Empfindlichkeit im Bereich ober- und unterhalb des Leistenbandes weisen auf die Ner venwurzeln L1 (= 1. Segment der Lendenwir belsäule) und L2 hin. Die L3-Wurzel macht sich am vorderen inneren Oberschenkel bemerkbar. 
Die Meralgia paraesthetica
(=
Schmerzstörung im Bereich des Nervus cutaneus femoris lateralis, rumpfnahe an der Außenseite des Oberschenkels) ist dagegen eine periphere (= mehr oberflächliche) Ner venstörung
Schmerz
en und Störungen der (Berührungs-) Empfindlichkeit vom vorderen inneren Oberschen kel bis zur Schienbeinvorderfläche reichend, betreffen die Wurzel L4. 
Beschwerden, die von der Außenfläche des Oberschenkels über den äußeren seitlichen Unterschen kel zum Fußrüc k en und zur Großzehe ziehen, sind L5 zugeordnet, während die S1-Wurzel
(= 1. Ner venwurzel im Kreuzbei nbereich) für den hinteren Oberschen kel, hinteren seitlichen Unterschenkel, seitlichen Fußrand und die Zehen 3-5 verantwortlich ist.

Ein akuter (= rasch und heftig einsetzender) Lendenschmerz wird auch als Lumbago bezeichnet, zu deutsch „Hexensch“. 

Medikamentöse Schmerzbehandlung beim Lendenschmerz (Schmerz der Lende, der Lenden):
Akut und subakut können beim Lendenschmerz zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika
(= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheumamittel), aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®. Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren,
z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch Muskelrelaxanzien (= Mittel zur Muskelentspannung) (z.B. Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden. 
Manchmal ist aber ein Lendenschmerz nur mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N®)
(= im Gehirn bzw. Rückenmark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei einem Lendenschmerz eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Abhängigkeit vermieden werden. Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, u.a. aber auch beim chronischen Lendenschmerz hilfreich) (z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) beim Lendenschmerz (Schmerz der Lende, der Lenden):
Bei einem anhaltenden Lendenschmerz sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockaden.

Infiltrative Lokalanästhesie (= Infiltration mit einem örtlichen Betäubungsmittel) bei einem Lendenschmerz
Die einfachste diesbezügliche Therapie besteht in der örtlichen Infiltration der meist verspannten, an die Wir belsäule angrenzenden Mus kulatur. Je nach segmentaler Ausdehnung reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus. Eine weitere Möglichkeit ist die gezielte Infiltration von Triggerpunkten (= kleine Reizzonen hpts. in der Mus kulatur) nach vorheriger Identifizierung derselben.
Wird der Lendenschmerz durch abgenutzte, entzündliche oder irritierte Inter ver tebralgelenke
(= kleine Gelen ke zwischen den Wirbeln) verursacht, sind Infiltrationen der betroffenen kleinen Gelen ke erfolgversprechend. Kortison- Zusatz kann den Heilungsprozeß beschleunigen. 
Der Beweis für ein "Facetten-Syndrom"
(= Schmerzstörung im Bereich der kleinen Wir belgelenke) als Schmerzursache, ist letztlich nur durch den Erfolg einer probatorischen (= zur Sicherung der Diagnose durchgeführten) Facet ten-Betäubung zu erbringen. Langzeiterfolge durch Thermokoagulation (= Verkochung / Zerstörung mit Hochfrequenzstrom) der Facet ten sind nicht gesichert.

Periphere temporäre (= oberflächliche, zeitlich begrenzte) Ner ven- und rückenmarknahe Blockaden beim Lendenschmerz (Schmerz der Lende, der Lenden)
Zur Unterbrechung segmentaler Reflexkreise, aber auch zur Therapie von Schmerzausstrahlungen eignen sich bei Rüc k enschmerzen Blockaden
(= Betäubungen) der korrespondierenden Ner venwurzeln (= im Schmerzbereich befindliche Nervenaustrittstellen neben der Wir belsäule). Im Bereich der Be ine können bei entsprechender rad ikulärer oder pseudorad ikulärer Schmerzausstrahlung (= Schmerz en die auf eine tatsächlich oder scheinbar geschädigte Ner venwurzel zurückzuführen sind) der vordere Oberschenkelnerv (N. femoralis) und / oder der Ischiasnerv wiederholt blockiert werden, in hartnäckigen Fällen mit Katheter (* siehe unten). 
Bei Schmerzausstrahlung in den Bereich des seitlichen und inneren Oberschenkels gelingt mit der sog. 3-in-1-Variante die zusätzliche Betäubung der Ner ven obturatorius und cutaneus femoris lateralis, deshalb auch geeignet zur Behandlung der Meralg ia paraesthet ica
(= br ennender Schmerz an der Oberschen kelaußenseite). 
Die lum bale Periduralblockade (= rückenmarknahe Betäubung im Lendenbereich), insbesondere
kontinuierlich mit Katheter*, ist eine sehr effektive Therapiemaßnahme, die allerdings nur unter stationären Bedingungen durchgeführt werden sollte. Bei technischer Beherrschung, adäquater Lokalanästhetika-Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das Risiko bei der Anzeige "Rüc k enschmerzen" als vertretbar eingestuft werden. 
Wenn eine Periduralblockade technisch schwer oder nicht durchführbar ist (z.B. bei Mißbildungen, Zustand nach operativer Wir belsäulenversteifung usw.), bietet sich besonders bei Störungen im Bereich des Plexus sacralis
(= Nervengeflecht im Bereich des Kreuzbeins) die sog. Kaudalanäst hesie (= rückenmarknahe Betäubung durch einen Kanal im Kr euzbein hindurch) an, die auch mit Katheter* möglich ist, sofern dieser wegen der der Gefahr einer En tzündung seitlich unter der Haut mittels einer Untertunnelung weggeführt wird. Erhöht man die Menge des örtlichen Betäubungsmittels (z.B. 20-25ml Bupivacain 0,1 bis 0,15 %) kann auch der obere Lendenbereich erreicht werden. 

Statt mit einem örtlichen Betäubungsmittel können die aufgeführten, rückenmarknahen Blockaden auch mit einer verdünnten Morphin-Lösung durchgeführt werden, allerdings ist dabei die oft zu beobachtende, über die Behandlungszeit hinaus anhaltende Wirkung deutlich weniger ausgeprägt. Bei sehr schweren und sonst kaum behandelbaren Rüc k enschmerzen kann zur Durchführung rückenmarknaher Blockaden auch eine kleine Schmerzpumpe unter die Haut gepflanzt werden. Das Arzneimittelreservoir der Pumpe wird dann in bestimmten Zeitabständen durch die Haut hindurch mit Hilfe einer Spritze wieder aufgefüllt.

*   Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerz en, die durch entzündliche und degenerative Prozesse entstanden sind, hilfreich ist.

Physikalische Therapie beim Lendenschmerz (Schmerz der Lende, der Lenden):
Auch eine Elektrostimulation kann bei einem Lendenschmerz eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig neben der Wir belsäule im Schmerzbereich aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden. Die elektrische epidurale Rückenmarksstimulation erfordert eine strenge Patientenauswahl. 
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist. 
Manche Patienten mit einem Lendenschmerz (gilt auch für andere Rüc k enschmerzen) empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können ebenfalls Rüc k enschmerzen lindern. 
Die Verordnung von Massagen ist auch beim Lendenschmerz
nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber beim Lendenschmerz die heilgymnastische Therapie
(auch Rückenschule), da meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es, die Mus kulatur neben der Wir belsäule zu trainieren, da auf Dauer nur eine kräftige/suffiziente Mus kulatur eine statische und dynamische Schwäche des Achsenorgans kompensieren kann. 
Besonders bei akuten Blockierungen hat die manuelle Therapie (Chirotherapie) bei der Anzeige „Rüc k enschmerzen“ durchaus gute Erfolge aufzuweisen. Bei schmerzhaften degenerativen
(= durch Abnutzung hervorgerufenen) Veränderungen der Wir belsäule wird auch eine Röntgenbestrahlung empfohlen (Thomalske 1991). Eine
Magnetfeldtherapie kann bei Lendenschmerz ebenfalls hilfreich sein.

Andere Therapiemaßnahmen beim Lendenschmerz (Schmerz der Lende, der Lenden): 
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur nicht unerwähnt bleiben. 
Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie bzw. Rückenschule). Darüber hinaus ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten Übungen zur Lockerung der Mus kulatur erlernen. Die Verordnung von Hilfsmitteln wie z.B. stabilisierende Korsette sollten dem Orthopäden vorbehalten sein. 
Hypnoide
(= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind auch beim Lendenschmerz eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären Entspannung führen, ebenso
Biofeedback (= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Psychotherapeutische Interventionen
können beim ausgeprägten "psychosomatischen Schmerz" angezeigt sein, da auch verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Schmerz en verstärken können.

Besteht ein chronischer Lendenschmerz längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

Aktualisiert:  22.05.05
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